Glaubte man vor 10 Jahren noch an eine „Totgeburt des Ostens“, beweist die Arzt- und gleichzeitig Volksserie „In aller Freundschaft“ allen Unkenrufen zum Trotz mit einer wöchentlichen Einschaltquote von 6 Millionen Zuschauern, dass ihr Erfolgskonzept aufgegangen ist. Über 400 Episoden wurden inzwischen produziert - Tendenz zur Endlosgeschichte. Was das fiktive Seattle Grace Hospital in „Grey’s Anatomie“ für Amerika – ist die reale Sachsenklinik Leipzig “in aller Freundschaft” für ihre Sachsen und natürlich auch den Rest der Republik.
Zugegeben, die Zielgruppen dürften sich hier im Vergleich etwas unterscheiden und Preise wie der Emmy oder der Golden Globe werden wohl selbst bei neuen Rekordquoten ausbleiben. Statt des Deutschen Fernsehpreises gab es in diesem Jahr bislang nur eine „Goldene Henne“, aber die verspricht auch zukünftig güldene Eier zu legen. Mit dem Serienstil knüpfte man hierzulande „in aller Freundschaft“ an bewährte Serienhits wie z.B. Polizeiruf 110 (seit 1971) an. Mag es auch daran liegen, dass die Rollen zum großen Teil mit Schauspielern besetzt werden, die schon auf DDR1 und DDR2 zu sehen waren und viele alte Defa-Profis hinter den Kameras arbeiten – wer sich daran noch erinnert, zieht unweigerlich Parallelen zu den DDR-TV-Quotenrennern „Zur See“ (1976), „Aber Vati!“ (1974/1978), „Rentner haben niemals Zeit“ (1978), Geschichten übern Gartenzaun“ (1982), „Bereitschaft Dr. Federau“ (1988) oder „Barfuss ins Bett“ (1988-1990).
Obwohl die ARD wegen den Vermarktungschancen ganz bewusst auf den bundesweit eher unbeliebten sächsischen Dialekt verzichtet, bleibt dank des Hausmeisters und sächsischen Originals Tom Pauls auch ein Quentchen sächsische Fernsehostalgie erhalten. Inzwischen kickte die Serie sogar schon „Dr. House“ vom Spitzenquotenplatz und man fragt sich, was den Reiz einer Arztserie wohl ausmacht. Wahrscheinlich ist es eine ähnliche Faszination einer dicken fetten Kreuzspinne aus gebührendem Abstand dabei zuzusehen, ob sie in der Morgensonne einem in ihr Netz verirrtes Insekt den finalen Fangbiss verpassen kann oder sich das Flügeltier doch noch vorher befreien wird. Wenn es einen selbst nicht betrifft, riskiert man schon mal neugierig mit zugekniffenen Augen den Blick auf einen geöffneten Brustkorb und in Zeiten von bevorstehenden Gesundheitsreformen mit empfindlichen Erhöhungen der Kassenbeiträge (ab 01/2009) träumt man von Chefarztbehandlung, Einzelzimmer und engelsgleichen Krankenschwestern ohne Klistierspritze und Damenbart.
Nicht zuletzt sind es aber sicher auch immer die Geschichten, das Geschenkpapier, in die die unappetitlichen Wunden und unheilbaren Krankheiten hübsch verpackt werden. Es ist ein ungeschriebenes Gesetz im menschlichen Miteinander, dass es wohl nichts Spannenderes gibt, als die Verquickung und Entwicklung zwischen Berufs- und Liebesleben, vor allem für Außenstehende. Schließlich sind Ausbildungs- und Arbeitsplatz die Orte, an denen sich die meisten Paare kennen und lieben lernen (Studie Blossfeld 2003). Alles in allem also genug Stoff und Grund heute zu feiern und die Drehbuchautoren zu neuen Episoden zu inspirieren. Im Ratskeller zu Leipzig steigt heute die heimische Jubliläums-Party im freunschaftlichen, geschlossenen Kreis. Aber wer Glück hat und seine Stars auf dem roten Teppich beim Rauchen erwischt, kann vielleicht das eine oder andere Autogramm ergattern. Viel Glück und Spaß auch weiterhin allen Machern, Akteuren und Zuschauern in Ost und West!
→Hier gibts schöne Fotos von der Autogrammstunde
→Am 28. Oktober erscheint die Jubiläums-DVD als Dokumentation zur Serie “10 Jahre - In aller Freundschaft” im Handel.
ARD | Dienstag, 14.10.2008 | 21:05 Uhr : Folge 407 “Die Kraft der Gefühle”
ARD | Dienstag, 21.10.2008 | 21:05 Uhr : Folge 408 “Eindeutig zweideutig”
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geschrieben von: Birgit Klawonn


















