Die RTL Reportage: „Private Spuren im Netz - Virtueller Seelenstrip mit bösen Folgen?” zeigt, welche Gefahren hinter dem Trip durch das schier endlose www lauern und welche verräterischen, virtuellen Spuren ein User im Internet heutzutage hinterlässt, ohne sich mitunter dessen Konsequenzen bewusst zu sein. Das Fallbeispiel einer jungen Studentin hat mich zu einigen Überlegungen angeregt und auch auf die Gefahr, hiermit eine (weitere) negative Spur zu hinterlassen - ich bin noch jung und voller Ideale - und das ist auch gut so!
Statement
Ich habe zugegeben lange überlegt, ob ich das „Mandat” annehme und mich auf diesem Blog als Gastautor zur Verfügung stelle. Kann man das seiner Mutter abschlagen? Im Grunde habe ich gar keine Zeit dafür und mein eigener Blog liegt quasi fast brach, weil ich ganz nebenbei ja noch studiere. Eigentlich ist es mehr so ein Zwischending zwischen Ausbildung und Studium an der EWS Leipzig und damit bin ich sozusagen auch schon voll ausgelastet. Begeistert ausgelastet - wohlgemerkt! Als ich dann aber auf Dringen meiner Mutter die future trend Reportage „Private Spuren im Netz - Virtueller Seelenstrip mit bösen Folgen?” auf RTL angesehen habe, war mir klar, dazu muss ich mal was loswerden. Natürlich nicht auf meinem eigenen Blog - der sollte schon ein bisschen „seriöser”, quasi “sauber” bleiben, denn meine berufliche Zukunft liegt ja hoffentlich noch vor mir…(!)
Nachdem was da jedenfalls gestern zum Thema Umgang mit persönlichen Äußerungen und Fotos im Internet gesagt und gezeigt wurde, bin ich sicher, dass meine Eltern als Blogbetreiber und -schreiber mit ihren Jobs im ÖD gut beraten sind. Ich will nicht hoffen, dass sie mit ihrer unbedarften, harmlosen und menschguten Art jemals ins Visier der Fahnder geraten, nur weil sie aus (entschuldige Mum) vollkommener Naivität und Webanfängertum mal irgendwann über 33 Ecken auf eine verfassungswidrige Seite verlinkt haben!
Sippenhaftung?
Sollten sich meine „negativen Surf-Spuren” bis zu meinem Berufsstart also nicht in den Weiten des www verloren haben, werde ich wohl zwangläufig bald da stehen, wo meine Eltern bzw. Großeltern schon vor 25 Jahren standen und diese Seite wird einen 404-Fehler anzeigen. Als DDR-Kind und mit dem Familienschicksal eines stasiverfolgten und mit Berufsverbot belegten Großvaters weiß ich nur allzu gut, welche Folgen es haben kann, sich den Regeln der Gesellschaft nicht zu beugen.
RTL Trend Reportage vom 2. März 2009
Was hatte es aber nun mit dem gestrigen Beitrag im Fernsehen auf sich? Wie im Nachhinein zu erfahren, handelte es sich um eine 30 minütige Reportage, die bereits 2008 gedreht wurde und auch schon mal über Focus TV lief - jedoch an Aktualität eher gewinnt als verliert. Augenmerk der Dokumentation war meine junge Generation und ihr scheinbar leichtfertiger Umgang mit allerlei persönlichen Daten und deren Verbreitung im Internet, sowie geeignete Präventionsmaßnahmen für Kids und Schadensbegrenzung mit Hilfe von Dienstleistungsunternehmen wie Datenwachschutz. Hilfe - Wie lösche ich private Daten aus dem Internet ? - stand als zentrale Frage.
Ich will mir lange Erklärungen und Nacherzählungen sparen, deshalb hier die offizielle Ankündigung des Beitrages, deren Inhalt man ohnehin nicht besser beschreiben könnte:
„Jeden Tag hinterlassen Menschen ihre Spuren im World Wide Web. Sie surfen, posten und laden Fotos hoch. Oft sehr persönliche Daten und Informationen werden einer anonymen Öffentlichkeit freiwillig und ohne Zögern preisgegeben. Der persönliche Blog mit den Eindrücken vom letzten Strandurlaub, den Ärger mit dem blöden Chef, oder die Diskussion mit Freunden über die aktuelle Situation mit dem Liebespartner - alles landet heutzutage im Netz und ist dort auf ewig gespeichert. Doch diese virtuellen Spuren der User können ein böses Nachspiel haben: Immer mehr Arbeitgeber googlen Jobanwärter und checken die Glaubwürdigkeit ihrer Bewerbungsdaten. Konzerne prüfen, ob Arbeitnehmer in Blogs Betriebsgeheimnisse und Beschimpfungen zum Besten geben und kürzlich verwies ein Gymnasium einige Schüler der Schule, weil sie im Internet ihre Lehrer mobbten. Die ‘future TREND Reportage’ über den Trend zum virtuellen Seelenstriptease und die oftmals bösen Folgen für die nichtsahnenden Internetnutzer. Denn so anonym wie viele glauben, ist das Netz bei weitem nicht.”
Das Fallbeispiel einer Studentin
Am Beispiel einer jungen Studentin wurde jedenfalls gezeigt, wie leicht man das Leben anderer ausspionieren kann, um es im schlimmsten Fall gegen ihn zu verwenden. Mit Hilfe von studiVz Daten und Bildern, Anzeigen von Schwarzen Brettern und verschiedenen Einträgen in den Suchmaschinen von google, yahoo & Co wurden alle verfügbaren Informationen, die besagte Studentin jemals im Netz auf Communty-Seiten und Web-Portalen hinterlassen hatte, zusammengetragen. Am Ende kannten die Reporter also nicht nur den Namen und die Uni des Mädchens, die Lebensgewohnheiten und ihre WG-Mitbewohner, sie wussten, wann sie die Studentin wo und zu welcher Uhrzeit bei einem Prüfungstermin treffen könnten. An Hand der Fotos war die Identifizierung ein Kinderspiel. Mit der Datenmappe konfrontierten die Reporter die ahnungslose Studentin und gaben stolz ihr Wissen preis.
Doch anders als erwartet, reagierte die Studentin vollkommen unbeeindruckt und gelassen. Sie störe das alles nicht, wüsste natürlich um die Gefahr und gebe deshalb auch nur die Informationen raus, die sie für sich persönlich auch vertreten kann. WOW! Damit hatten die Journalisten nicht gerechnet. Für die einen mag die Reaktion der Studentin blauäugig und naiv gewesen sein, für die anderen einfach nur tough und moralfrei. Wer authentisch und reinen Herzens ist und nicht gegen die 10 Gebote verstößt, sollte eigentlich nichts zu befürchten haben und muss demzufolge auch nichts verbergen. Oder?
Gefahren im Internet
Unzensiert lasse ich die unbestrittene traurige Tatsache, dass Millionen von Usern, darunter leider auch viele unbeaufsichtigte Kinder, vermutlich vollkommen unwissend und leichtfertig persönliche Daten im Internet von sich preisgeben, die ihnen sogar richtig gefährlich werden könnten. Bald jeden Tag erreichen uns Schreckensmeldungen von abnormen Individuen, die im www ihr Unwesen treiben. All denen wird es natürlich verdammt leicht gemacht, ihre Beute aufzuspüren. Immer wieder warnen Polizei, Verbraucher- und Datenschützer z.B. vor Blind-Dates aus Chatkontakten.
Personalchefs als Bluthunde
In der Reportage ging es aber in erster Linie auch um die Reputation von Berufseinsteigern. Womit wir wieder bei unserer Studentin wären. Personalchefs setzen eigene Scouts auf Stellenbewerber/innen ihrer Firmen an, um an Hand gefundener Internetdaten und Bilder ein Vorab-Profil zu erstellen. Mit diesem Profil werden die verdutzten Bewerber dann konfrontiert oder gar nicht erst zum persönlichen Gespräch eingeladen. Diese Methode hat sich in den letzten Jahren derart etabliert, dass sie inzwischen ihre volle öffentliche Legitimation erreicht hat. Der durchaus positive Effekt, sich einmal mehr Gedanken zu machen, welche Spuren man im Netz hinterlässt, um seine Privatsphäre zu schützen, verkommt zur kollektiven Angstmache und Hysterie. So formt ein Überwachungsstaat die Menschen nach seinem Willen. Dabei nehme ich hier nicht diejenigen in Schutz, die anscheinend dumm genug, weil alt genug, sind, heikle Privatfotos ins Netz zu stellen. Spätestens nach all den zurückliegenden Diskussionen und gezeigten Fallbeispielen sollte die natürliche Scheu vor Veröffentlichung und Bekanntmachung intimster Privatdokumente ins Bewusstsein zurückkehren. Das Internet ist kein Ort an dem man sich ungeniert austoben kann, ohne dabei erkannt zu werden - ganz im Gegenteil!
Gesellschaftliche Moral
Wie pervers ist eigentlich eine Gesellschaft, die gegen Vorratsdatenspeicherung demonstriert aber ganz selbstverständlich solche Firmenstrategien toleriert die, aus ganz natürlichen Lebensgewohnheiten jugendlicher Lebensart, verabscheuungswürdige Denkmuster entwickeln und unters Volk verbreiten? Die Selektion der makellosen Elitejugend ist in vollem Gange und beruflich weiter kommt nur, wer clever genug ist, seine Spuren zu vernichten, um mit einem perfekten Scheinbild zu überzeugen.
Wir sind immer noch bei unserer Studentin und der im Film gezeigten Bewerberin einer Firma. Letztere wurde übrigens mit eher harmloseren Partybildern kompromittiert, da nutzten auch exzellente Zeugnisse und 1A-XING-Profil nicht mehr viel. Es geht nicht mehr darum, wie qualififiziert oder geeignet man für einen Job ist, sondern, was man in seiner Freizeit, wie, wo, wann und mit wem treibt. Früher soll es mal das Sprichwort: “Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps” gegeben haben. Was machen Personalchefs in ihrer Freizeit? Sind sie die Perfekt-Ehemänner, Vorzeigeväter und Vorbild-Kader unserer Nation?
Ich bin sicher, wer es darauf anlegt, kann von jedem Menschen irgendetwas finden, das ihm ein Makel seiner Persönlichkeit oder irgendeine Fehlbarkeit bescheinigt - gemessen an den gesellschaftlichen Normen. Paparazzis durchwühlen den Hausmüll von Prominenten, Personalchefs das Internet, das ist die Inquisition des 21. Jahrhunderts und der Fluch ihrer modernen Technologien. So befriedigt man die niedersten aller Bedürfnisse, die uns wahrlich vom Tier unterscheiden!
Das Sprachrohr der gesellschaftlichen Normen ist die öffentliche Meinung der Massenmedien. Aber: es wird mit zweierlei Maß gemessen. Verhelfen dem einen die freizügigen Partybilder mit zugekifften Jet-Set-Freunden oder Stripvideos in das Licht der Öffentlichkeit und damit zum Karriereschub, bedeuten sie für den Normalbürger das Aus und womöglich den Abstieg nach Hartz IV, bevor sein Leben überhaupt angefangen hat. Die Basis, das Herz des Bruttosozialproduktes, muss „sauber” bleiben.
Resümee
Es hat sich nicht viel geändert in einer über 2000 Jahre alten Welt menschlicher Abgründe, in der Misstrauen, Neid und Missgunst immer in der Nachbarhöhle lauern könnten. In einer Ellbogengesellschaft und Wirtschaftskrise wie dieser, verschärft sich die Schere zwischen arm und reich, zwischen Schein und Sein. Tendenz stetig steigend. Schon der alte Goethe wusste: „Die Welt urteilt nach dem Scheine” - nur die Methoden sind heute komplexer und undurchsichtiger, scheinheiliger und zugleich hinterhältiger denn je.
“Gewöhnlich wagen wir nur dann dem Schein nicht zu glauben, wenn wenig auf dem Spiel steht.” (Francois de La Rochefoucauld)
Hilfe im Netz fürs Netz
Ganz sicher werden die in der Reportage angepriesenen Dienstleister wie Datenwachschutz oder Reputation Defender in nächster Zeit starken Zulauf an Aufträgen haben. Im Moment ist die Löschung von Einträgen und Seiten im Internet mit 20 € wahrlich noch ein Schnäppchen, was sich jedoch sehr bald und sehr schnell ändern kann, denn für gewöhnlich bestimmt die Nachfrage den Preis…..
Einen sehr hilfreichen Artikel zu diesem immer ernster werdenden Thema finden alle Interessierten auch auf →HIER (KLICK) fem.com
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geschrieben von: steph


















