Das Sommersemester für unsere Studenten steht bevor und damit wieder die Zeit, richtig Geld zu verdienen. Immer mehr Studenten gehen neben ihrer Ausbildung einer Arbeit nach, um sich ihr Studium weiter zu finanzieren, oder ihren Lebensunterhalt aufzubessern. Arbeitgeber schätzen Studenten als Aushilfskräfte, denn sie sind billige Arbeitskräfte, bringen nützliche Kenntnisse mit und sind auch belastbar, weil zu unbequemen Zeiten am Abend, nachts oder an Wochenenden willig und einsatzbereit. Studierende sind zudem auch häufig parallel in Vollzeit beschäftigt. Besonders die Wirtschaftsbereiche Erziehung, Gesundheits- und Sozialwesen sowie Dienstleistungsunternehmen profitieren seit Jahren von der wachsenden Zahl Job suchender Studenten.
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Die Einführung der neuen Studiengänge Bachelor und Master und die Durchsetzung europäischer Standards hatte zum Ziel, Studiensysteme zu vereinheitlichen, Studienzeiten zu verkürzen und Studienabbrüche zu minimieren. Erste Erfahrungen und Auswertungen der Praxis aber lassen befürchten, dass die Entwicklung in eine andere, ungewollte Richtung geht. Prof. Andreas Weber von der FH Flensburg warnte jetzt in einem Interview gegenüber vdi Nachrichten vor den Folgen „einer enormen Doppelbelastung“ für unsere Studierenden.
� Bachelor-Studiengänge sind an vielen Universitäten und Fachhochschulen mit einem hohen Workload (Studienbelastung) eingetaktet, so dass im Schnitt durchaus 1800 Stunden im Jahr bei einem effizienten Studium zusammenkommen. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Erwerbstätigkeit liegt in Deutschland bei 1360 Stunden bei Vollzeitbeschäftigungen, im Dienstleistungsgewerbe bis zu 1750 Stunden. Heute zu studieren, bedeutet also eigentlich schon mehr als einem Vollzeitjob nachzugehen. Wo also die Zeit und die Kraft her nehmen noch einem Nebenjob oder gar zweiten Vollzeitjob auszuüben? Studenten reagieren darauf, indem sie das Zeitmanagement zu ungunsten ihres Studiums regulieren. Sie nehmen in Kauf, dass sich durch die Doppelbelastung ihr Wissen und ihre Leistungen reduzieren und sie gegebenenfalls dadurch den Studienanforderungen, z.B. bei MBA, nicht gewachsen sind, demzufolge länger studieren müssen. Teilzeitstudium statt Teilzeitjob heißt der neue Trend, der nicht selten dazu führen wird, dass das Studium im Endeffekt sogar ganz abgebrochen wird.
Schuld an dem Desaster sind auch die deutschen Modelle der Studienfinanzierung. Studieren wird immer teurer, Studiengebühren, Studienmaterialien und nicht zuletzt die Unterbringung, Versorgung und Fahrtkosten am Studienort belasten die elterlichen Kassen, oder eben die der Studenten. Längst haben die Banken diese „Marktlücke“ erkannt und locken mit mehr oder weniger günstigen Studienkrediten. Viele Studenten geraten so in den Sog hoher Verschuldungen, denen sie wiederum nur mit zusätzlichen Jobs begegnen können. Da die Kredite abgezahlt werden müssen, bevor sie in ihrem studierten Beruf überhaupt richtig Fuß gefasst haben und genug Geld verdienen, oder die Raten wie ein Damoklesschwert auf die Absolventen warten, orientieren sich viele Studenten in den Bereichen ihrer Nebenjobs vollkommen neu. An die Gründung einer eigenen Familie möchte man da gar nicht denken, was in einem Alter von Ende 20 ja ja durchaus keine Schande wäre. Kein Wunder also, wenn sich auch das Durchschnittsalter derer, die ein Kind bekommen immer weiter erhöht. Bafög-Anträge gestalten sich hierzulande äußerst bürokratisch und die Gewährleistung ist an hohe Kriterien geknüpft, in deren Genuss nur ein Bruchteil der Studierenden kommt. Von sozial-gerechten Lösungen kann hier nicht die Rede sein. Studieren ist längst zum Privileg der besser verdienenden Eltern geworden oder treibt eben solche Blüten, dass Studenten Vollzeit arbeiten und Halbzeit studieren.
Bleibt die Frage, warum man sich hierzulande nicht einfach mal an den Ländern orientiert, die ihre Sozialsysteme besser im Griff haben, wie zum Beispiel Dänemark, Schweden oder Norwegen. In Dänemark werden Studenten als völlig selbständige Erwachsene betrachtet und erhalten ein Grundeinkommen mit dem sie ihren Lebensunterhalt bestreiten können. Dafür erhalten die Eltern zwar kein Kindergeld, aber darauf würde auch hier jede Familie verzichten, wenn es eine vergleichbare Lösung gäbe, die zulässt, dass Studenten ihrem Ausbildungs- und Entwicklungsstatus entsprechend selbstständig leben und studieren können. Denn Dank der hierzulande immer länger werdenden Ausbildungszeiten dürfen wir nicht vergessen, dass ein Student mit 25+ auch nicht unbedingt mehr bei Mutti wohnen kann oder will. Aber damit wären wir schon wieder mitten drin in der Debatte um ein menschenwürdiges und bedingungsloses Grundeinkommen…
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geschrieben von: Birgit Klawonn


















