Ähnlich wie 2006 bahnt sich mit den derzeitigen Wetteraussichten für den Sommer 2008 und bei den aktuellen Witterungsbedingungen ein erneutes „Zeckenjahr“ an. Zecken mögen am liebsten ein gemäßigt warmes und feuchtes Klima. Ab +7 Grad werden sie aktiv, die gefährlichen Quälgeister, die immer mehr Territorium erobern. 27 Staaten zählen mittlerer Weile zu den betroffenen Gebieten, mit 15.000 Erkrankungen im Jahr. Die Dunkelziffer liegt angenommen weit höher, denn nicht in allen Ländern gibt es eine Meldepflicht für FSME, die gefürchtete Frühsommer-Meningoenzephakitis (FSME=Hirnhautentzündung).
Foto: ©wikipedia
Der gesamte Osten Europas gilt inzwischen als zeckenverseuchtes Land. Finnland und Schweden blieben bisher bis auf Einzelfälle verschont. In wärmeren Gegenden wie Spanien und Portugal sinkt die Aktivität der Zecke oder kommt ganz zum Erliegen. Unklar ist den Wissenschaftlern, die sich mit der Ausbreitung befassen, warum die Zecke nicht nach Westen wandert und offenbar an bestimmten Ländergrenzen halt macht. Dennoch nimmt die Zahl der Erkrankungen in ganz Deutschland kontinuierlich zu.
Innerhalb Deutschlands bleiben Bayern und Baden-Württemberg die gefürchtetsten Regionen, wenn es um das Risiko und die Zahl der Erkrankungen geht. Aber auch in Sachsen und Brandenburg, die bisher nicht zu den spezifischen FSME-Bundesländer zählen, steigt das Risiko und die Verbreitung. Das Deutsche Grüne Kreuz e.V. (DGK) sieht FSME sogar als Hauptproblem für die Region Leipzig in diesem Frühjahr an. 546 Fälle von FSME-Erkrankungen hat Deutschland jährlich zu verzeichnen. FSME ist unheilbar und der Krankheitsverlauf meist äußerst dramatisch. Ein Prozent der Patienten stirbt innerhalb weniger Wochen.
Der scheinbar unaufhaltsame Vormarsch von FSME kann nur durch eine rechtzeitige und vorbeugende Impfung aufgehalten werden. Von den gesetzlichen Krankenkassen werden die Impfungen inzwischen übernommen. Die Grundimmunisierung besteht aus 2 Impfungen innerhalb von 4 Wochen. Nach einer Wiederholungsimpfung mit einer einjährigen Pause wird dann ein Langzeitschutz erreicht.
Dabei bleibt nicht vergessen, dass bei einem Zeckenbiss auch die nicht minder unangenehme Infektionskrankheit Borreliose übertragen werden kann, die zwar weit weniger gefährlich als FSME aber dennoch schon mit Todesfällen einhergegangen ist. Lyme-Borreliose ist die häufigste von Zecken übertragene Erkrankung in Deutschland. 240.000 Neu-Infektionen / 60.000 Neu-Erkrankungen pro Jahr zeigt die Statistik.
Eine zusätzliche Gefährdung besteht auch durch das Einschleppen von Zecken durch unsere geliebten Vierbeiner. Haustierbesitzer sollten unbedingt darauf achten, dass Hunde oder Freigängerkatzen weitgehenst geschützt bleiben. Im Handel erhältlich sind Zeckenmittel, die aufgetragen auf die Tierhaut, verschiedene Arten von Parasiten weitgehendst fern halten, so auch Zecken. Am besten, man läßt sich dazu vom behandelnden Tierarzt beraten.
Für unsere Katze verwenden wir jährlich in Abständen von 6-7 Wochen “Frontline“, das sich bestens bewährt hat. Mit einer Packung = 6 Applikatoren kommt man dabei gut übers Zeckenjahr. Bei dem Auftragen muss man sehr sorgfältig vorgehen, da das Mittel nicht ganz ungefährlich für die Katze selbst ist. Bei oraler Aufnahme des Mittels, was bei Katzen schnell passieren kann, weil sie sich ständig putzen, kann es zu Erbrechen und Hautreizungen führen. Die beste Stelle zum Auftragen der Flüssigkeit (mittels Applikator) ist am Übergang vom Hals zu den Schulterblättern. Diese Stelle erreichen Katzen am schwierigsten. Dazu muß man das Fell scheiteln, bis die Haut freigelegt ist und die Lösung auf die Haut träufeln, am besten dann mit dem Applikator gleich einreiben und möglichst nicht im Fell verteilen. Es empfiehlt sich, unbedingt vor Gebrauch die Packungsbeilage zu lesen. Vielleicht verzichtet man in den Zeckenmonaten darauf, sein geliebtes Tier mit ins Bett zu nehmen, da sich trotzdem Zecken im Fell des Tieres befinden können, die sich dann freuen würden einen schmackhafteren Wirt zu finden.
Zur Zeckenentfernung gilt vor allem schnelles Reagieren. Dazu ist es unerläßlich nach dem Aufenthalt im Grünen oder nach Waldspaziergängen den Körper sorgfältig abzusuchen und eine Zecke, die “angebissen” hat, so schnell wie möglich zu entfernen. Egal ob Risiko-Region oder nicht, vor allem Kinder müssen immer wieder abgesucht werden. Übrigens ist es sehr wahrscheinlicher sich im wadenhohen Gras eine Zecke aufzulesen, als im Wald.
Am besten verwendet man dazu eine Pinzette, Zeckenzange oder Zeckenkarte - erhältlich in allen Apotheken, Reformhäusern oder gut sortierten Drogeriemärkten. Die Zecke ganz kurz hinter dem Kopf, so nah wie möglich an der betreffenden Hautstelle fassen und vorsichtig aber in einem Zug herausziehen. Dabei nicht drehen oder den Hinterleib der Zecke quetschen. Alte Hausmittel wie Öle oder Klebstoffe, die dem Abtöten der Zecke dienen sollen, sind keinesfalls anzuwenden und längst überholt. Im Todeskampf der Zecke werden, wie auch beim Quetschen, werden dadurch verstärkt Krankheitserreger in die Wunde abgegeben. Inwieweit sich die Vereisungsmethode schon bewährt hat, kann ich hier nicht sagen. Dabei handelt es sich um eine patentierte Weltneuheit, die das Entfernen von Zecken erheblich erleichtern soll. Z.B. soll mit dem Tickner (Apotheke) die Zecke schneller erfroren sein, als sie überhaupt noch reagieren kann. Das Vereisungsspray soll in Sekunden wirken. Die Zecke wird schock gefriert und stirbt sofort. Im Zweifelsfall, oder sollte es einem nicht gelingen, die Zecke zu entfernen, bzw. nur teilweise, ist der Gang zum Arzt unbedingt zu empfehlen.
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Prof. Jochen Süß: „Zecken: Was man über FSME und Borreliose wissen muss. Mit aktuellen Risikogebietskarten 2008“ Verlag: Hugendubel, Heinrich, Verlag; Auflage: aktualisierte Neuauflage (5. Februar 2008) Preis: 14,95 € (bei Amazon)
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geschrieben von: Birgit Klawonn


















